Die Kneippschen Güsse – eine Wohltat für den Körper!

"Wie jedoch jeder einzelne Guss auf einen bestimmten Körperteil eine bestimmte Wirkung ausübt, so kann hier wiederum durch Anwendung verschiedener Güsse auf den ganzen Körper eingewirkt werden."              Sebastian Kneipp, Mein Testament, 1895

Der Sinn der Güsse

Mit den Kneippschen Güssen soll der Wärmehaushalt des Körpers wieder in ein Gleichgewicht gebracht werden. Durch den Wärme- oder Kältereiz des Wassers wird durch die Hautnerven das vegetative Nervensystem angesprochen. Dieses vom unserem Willen völlig unabhängige Nervensystem vermag nicht nur auf die kleinen Blutgefäße (Venen oder Arterien) sondern auch über eine Mitreaktion (der Mediziner sagt dazu: "konsensuell") auf die verschiedensten Organe einzuwirken.

Wer das nicht glauben mag, der soll einmal an einem Arm oder einem Bein einen kalten Guss vornehmen. Nach wenigen Minuten wird sich nicht nur der begossene Arm zu kribbeln beginnen, als Zeichen, dass er sich erwärmt, sondern ebenfalls der Andere. Das ist das Zeichen, dass auch er besser durchblutet wird. (Und wer gut aufgepasst wird auch an den Beinen (Armen) ein Kribbeln verspüren!)

Die verschiedenen Güsse

Es gibt nicht nur die "gefürchteten" kalten Güsse, sondern natürlich auch die "Wechselwarmen" und die warmen oder ansteigend heißen Güsse. Wer sich jetzt freut und für sich nur die warmen Güsse auswählt, dem sei aber gesagt: "Soviel Wärme wir nötig, soviel Kälte wie möglich." Damit soll ein zu starker Reiz vermieden werden. Die richtige Temperatur eines Gusses ist von Person zu Person unterschiedlich. Entscheidend ist das Wohlbefinden nach dem Guss.

Welche Güsse gibt es?

Es gibt Knie oder Schenkelgüsse, Armgüsse, Oberguss, Vollguss, Kopf oder Gesichtsguss, den Rückenguss und den Nackenguss.

Man kann auch nach der Art der Durchführung der Güsse unterscheiden. Die meisten Güsse werden "drucklos" verabreicht. Das heißt, dass das Wasser nur aus dem Schlauch "quillt" und nicht spritzt.   Das Gegenteil dazu sind die sogenannten Druckstrahlgüsse wie z.B. der Blitzguss, die zusätzlich zu dem Wärme / Kältereiz noch den druckmechanischen Reiz des Wassers haben.

Die Orte der Wasseranwendung

Je nach behandeltem Körperteil und der Art des Gusses werden nicht nur z. B. die Arme oder Beine, sondern auch die verschiedensten Organe angesprochen.

Der Gießort wird an die vorliegende Krankheit angepasst. Mit dem Knie oder Schenkelguss werden die Organe im kleine Becken oder Bauch angesprochen. Oberguss, Armguss und Rückenguss wirken insbesondere auf die Brustorgane Herz und Lunge, sowie auf den Kopf.

Welche Güsse warm – und welche kalt?

Die Güsse können kalt (bis ca. 18 ° C Wassertemperatur), temperiert (18 - 22 °C), Wechselwarm (zunächst warm 36 - 38 °C, dann kalt bei 18 ° C) oder ansteigend (von ca. 30 °C bis ca. 43 °C) gegeben werden.

Die ansteigend heißen oder heißen Güsse (Rückenguss, Nackenguss, Lumbalguss) sind insbesondere bei muskulären Verspannungen in dem jeweiligen Bereich zu empfehlen.

Die kalten Güsse dienen der Abhärtung, der Durchblutungsverbesserung und fördern die Vitalität.

Blitzgüsse (mit Druck von 2 - 3 atü) stellen die stärkste Stufe der Kneippgüsse dar. Sie kommen als Abhärtungsmaßnahme und zur Stoffwechselanregung zur Anwendung.

Allgemeine Regeln für alle Güsse:

  1. Nie einen kalten Guss auf kalte Haut oder bei Kältegefühl oder Frösteln ausführen. In solchen Fällen warm vorgießen, oder besser noch – wie zu Kneipps Zeiten - sich mit Bewegung die nötige Körperwärme holen.
  2. Der Gussraum muss gut warm sein. Kein Zugwind!
  3. Die Anwendung in Ruhe und Konzentration durchführen. Motto: "Beim Guss halts Maul, sonst ist die Wirkung faul." (S. Kneipp)
  4. Vor dem Guss ein- und mit Beginn des Gusses langsam wieder ausatmen. Ruhig weiteratmen.
  5. Nie unmittelbar nach dem Essen oder vor / nach körperlichen Anstrengungen gießen.

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